Gravuren des Jahr 1618

6-Neue Beschreibung des Königreichs Böhmen.

Neue Beschreibung des Königreichs Böhmen.

Hradčany, dne 01.01.1618 (do 31.12.1618)

Es handelt sich um eine detaillierte, stellenweise jedoch ungenau ausgeführte Karte von Böhmen, die an Rändern mit einem Messstab versehen ist. In der rechten unteren Ecke ist Hradschin abgebildet, davor eine mit Mantel umhüllte Gestalt eine Leine mit dem gefesselten Kaiseradler haltend. Abseits steht eine Person, die sich mit ihrem abgenommenen Hut verbeugt. Auf der anderen Seite auf einer ähnlichen Kartusche gibt es ein Wappen mit dem böhmischen Löwen, das von einem Faun gehalten wird, der an einer Tafel mit der Widmung für Eylhar Lubin, den Professoren an der Universität in Rostock von dem Stecher Kaeri gelehnt ist.

Signace: P. Kaerius Excudebat Amstalodami. Anno a nato Christo 1618
Autor: Lubinus Eylhar, profesor rostocké university

Originální název: Regni Bohemiae nova descriptio.

Diese Karte von Böhmen aus der Zeit der Renaissance ist sehr interessant, vor allem durch die Anmerkungen, die zu verschiedenen Städten angeführt sind. Zum Beispiel zu Prag: Hec olim Bubenium quondam etiam Marobudu ab conditore dicta. Krummau, Budweis und Kuttenberg: Habent argenti fodines. Rakonitz: Habent optimam cerevisiam. Klattau: Praestat opt. caseis. Prachatitz: Salis emporium, u. dgl.. Zwischen Böhmisch Sternberg und dem Kloster Sasau ist ein großer Wald aufgenommen. Konopischt wird „Konnepsch“ genannt. Die Bedeutung der oben beschriebenen Wappen haltenden Personen kann nicht erörtert werden.

1-Druckblatt der weitberühmten königlichen Hauptstadt Prag in Böhmen, wie sie heutzutage aussieht.

Druckblatt der weitberühmten königlichen Hauptstadt Prag in Böhmen, wie sie heutzutage aussieht.

Praha, dne 01.01.1618 (do 31.12.1628)

Der Blick auf ganz Prag an beiden Ufern der Moldau („Moltav fluvius“) ist sehr sorgfältig gezeichnet. Im linken Vordergrund befindet sich eine Baumstaffage. Oberhalb des Bildes steht der vorstehend genannte Text. Am Himmel gibt es die Wappen von: Hradschin, Kleinseite, böhmisches, kaiserliches Wappen, Altstadt, Neustadt und Vysehrad. Der Druckt ist nicht signiert, seine Konzeption erinnert jedoch an Hollar, oder die Grafik wurde nach einer Vorlage Hollars angefertigt. Dieser Stich gleicht markant in vielem dem Hollars Bild Prag.

Signace: neuvedena
Autor: Lubinus Eylhar, profesor rostocké university

Originální název: Prospect der weitberühmten Königl. Hauptstadt Prag in Böhmen, wie solche jetziger Zeit anzusehen ist.

Prag ist mehrere Male zur Szene von Ereignissen geworden, die sich tief, ausschlaggebend auf den Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs auswirkten. Im Jahre 1618 kulminierte der böhmische Aufstand durch den Prager Fenstersturz, im Jahre 1620 wurde die Weißenberger Schlacht erkämpft und ein Jahr später die opferreiche Hinrichtung am Altstädter Ring vollgezogen. Das Entstehen der militärischen sowie politischen Gewalt Wallensteins wurzelt in Prag. Im Jahre 1633 erfolgte der Einfall der Sachsen ins Prag und im Jahre 1635 kam es hier zu dem sog. Prager Frieden zwischen dem Kaiser und dem Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen. Wallensteins Tod im Jahre 1634 ließ die Auswirkungen auch auf den Prager Verhältnissen zurück. Im Jahre 1648 wurde Prag durch die Schweden unter Königsmark und Karl Gustav Falzgrafen am Rhein belagert.

3-Wahre Abbildung wie die kaiserlichen Räte aus dem Fenster geworfen worden sind.

Wahre Abbildung wie die kaiserlichen Räte aus dem Fenster geworfen worden sind.

Příkop pod Pražským hradem, dne 23.05.1618

Es handelt sich um einen Blick auf Hradschin vom heutigen Klárov. Auf der linken Seite sind die neuen Schlosstreppen abgebildet. An Stelle der jetzigen Gärten am Hang zur Kleinseite gibt es einen Wildgarten mit Hirschen. Unter Buchstabe „B“ befindet sich das Fenster der Landtagskanzlei, woraus gerade die kaiserlichen Statthalter stürzen. In oberen Ecken der Kaiseradler und der böhmische Löwe in Lorbeerkränzen. In der rechten unteren Ecke ist die Legende: A–C, eine erläuternde Anschrift auf Deutsch ist oberhalb des Bildes gesetzt.

Signace: neuvedena
Autor: Lubinus Eylhar, profesor rostocké university

Originální název: Wahre Contrafactur wie die Kays. Räthe zum Fenster hinaus geworffen worden seindt.

Katalogová čísla:
Čeněk Zíbrt – Bibliografie české historie: 3804

Der Prager Fenstersturz wurde zum unmittelbaren Beweggrund, woraus sich der Dreißigjährige Krieg entfesselte. Die tatsächlichen Ursachen dieser Katastrophe können jedoch bereits in der Entwicklung ganzer Jahrzehnten verfolgt werden. Am folgenschweren 23. Mai 1618 versammelten sich die Vertreter der nicht zufriedenen böhmischen Stände unter der Führung von Heinrich Matthias, Graf Thurn, Freiherr von Valsassina, Colonna von Fels, Paul von Ritschan und anderen und an der Spitze einer vielköpfigen Menge zogen sie zur Burg und hier zwangen sie ihren Eintritt in die Landtagskanzlei ab, wo gerade der kaiserliche Rat in Zusammensetzung von Johann Borsita aus Martinitz, Wilhelm Slawata von Chlum und Koschumberg, Theobald von Lobkowicz und Adam von Sternberg versammelt wurde. Die Aufständischen brachten hier ihre Ansprüche entschieden und herausfordernd vor. Der Oberst-Burggraf Adam von Sternberg bemühte sich der Gefahr mit friedlicher und versöhnlicher Antwort zu begegnen, des ungeachtet entfesselte sich jedoch bald eine heftige Auseinandersetzung, die kulminierte indem Lobkowicz und Sternberg in einen Nebenraum entführt wurden, Slawata und Martinitz dann gefasst und aus dem Fenster gestürzt wurden. Selbst der Schreiber Fabricius nahm an deren Schicksal teil und geriet in dem Burggraben. Bis auf Abschürfungen und Quetschungen wurde keiner ernsthafter verletzt. Fabricius reiste noch an dem Tag nach Wien aus, um den Kaiser über die Prager Ereignisse zu informieren. Auf Grund seiner Verdienste wurde er dann geadelt und erhielt den Adelstitel „von Hohenfall“.

4-Abbildung der Stadt Pilsen in Böhmen, wie diese durch General von Mansfeld belagert und eingenommen wurde. Anno 1618.

Abbildung der Stadt Pilsen in Böhmen, wie diese durch General von Mansfeld belagert und eingenommen wurde. Anno 1618.

Plzeň, dne 11.11.1618

Das Bild von Pilsen ist aus der Vogelperspektive gezeichnet, verschiedene Bauten sind sehr detailliert gezeichnet. Der Angriff der Truppen unter General Mansfeld zielt auf die Franziskanerkirche hin. In der rechten oberen Ecke gibt es in einem Zierfeld das Wappen der Stadt Pilsen. Auf derselben Seite unten gibt es in einer vierkantigen Kartusche die Legende A–I. Auf der linken Seite unten sind zwei Reiter, von denen einer die Flagge hält, und mehrere Fußsoldaten abgebildet. In der linken oberen Ecke steht die Anschrift: “Obsidio urbis Pilsenae.“

Signace: neuvedena
Autor: Lubinus Eylhar, profesor rostocké university

Originální název: Abbildung der Statt Pilsen in Böhmen und wie selbige durch Gen. von Mansfeld belägert und eingenommen worden. Anno 1618.

Katalogová čísla:
Čeněk Zíbrt – Bibliografie české historie: 3804

Pilsen wurde gleich anfangs des Dreißigjährigen Kriegs geschlagen. Wenn die böhmischen Stände seine Anforderungen gegenüber dem Kaiser nach dem Prager Fensterabsturz durch den Krieg erzwungen wollten, blieb Pilsen an der Seite des Kaisers, der sofort zu dessen Verteidigung eine kleinere Truppe unter dem Hauptmann Felix Dorheim entsandte. Bereits im September 1618 zog der Graf Ernst von Mansfeld nach Böhmen, der von den böhmischen Ständen gedungen wurde, und begann sofort mit seinen Truppen die feindliche Stadt Pilsen zu belagern. Mit Zuzügen von den umliegenden Regionen wuchsen seine Truppen zu 8 000 Mann an, mit denen die Stadt binnen 9 Wochen intensiv eingenommen wurde. Die Besatzung sowie die Stadtbewohner hielten sich wacker, wenn aber zwei Durchbrüche der Stadtmauer durchgeschossen wurden, geling es den Truppen bei dem Hauptangriff am 21. November 1618 durch diese Lücken in die Stadt einzudringen, (es geschah an der heutigen Sparkasse und unweit des Franziskanerklosters). Am 22. November in der Früh gab die Stadt Mansfeld auf und er siedelte sich im Kaiserhaus an. Durch die Belagerung litt Pilsen grausam: ein Drittel aller Häuser wurde zu Staub und Asche. Die Vorstädte mit bedeutenden Lebensmittelvorräten wurden am Boden zerstört.

5-Abbildung der Stadt Pilsen in Böhmen, die diese belagert,  gestürmt und eingenommen wurde.

Abbildung der Stadt Pilsen in Böhmen, die diese belagert, gestürmt und eingenommen wurde.

Plzeň, dne 21.11.1618

Die Stadt Pilsen ist perspektivisch gezeichnet. Von Westen dringen die Mansfelds Truppen durch die Durchbrüche der Mauer in die Stadt ein. In der linken oberen Ecke ist der Lagerplatz der Mansfelds Armee abgebildet. Rechts oben ist das Wappen der Stadt Pilsen, unten der Flusslauf von Radbusa und eine Orientierungsbussole. In der linken unteren Ecke eine Zierkartusche mit Legende A–M.

Signace: G. Keller
Autor: Lubinus Eylhar, profesor rostocké university

Originální název: Abrisz der Statt Pilsen in Böhmen, wie dieselbige belägert, gestürmt und eingenommen worden.

Katalogová čísla:
Wilhelm Eduard Drugulin – Atlas historique Drugulin: 1354
Čeněk Zíbrt – Bibliografie české historie: 4397

Der General Ernst Graf von Mansfeld zog mit 3 000 Mann den böhmischen Ständen zu Hilfe. Diese Armee war zwar für den Herzog von Savoyen und die Protestantische Union angeworben, um aber das Verhältnis zwischen die Liga und der Union nicht zu trüben, so wurde kundgemacht, die Truppen seien für die böhmischen Stände errichtet und bestimmt. Im Einvernehmen mit dem böhmischen Direktorium zog also Mansfeld nach Böhmen und am 21. November 1618 nahm er Pilsen an, wodurch er dem Kaiser einen spürbaren Schlag zufügte, denn nur Budweis verblieb nun an der Seite des Kaisers. Pilsen war schon immer für dessen Treue dem Kaiser bekannt und die Tatsache, dass es von Mansfeld ohne die finanzielle Unterstützung von der Union und dem Herzog von Savoyen beherrscht wurde und dass seine Truppen deshalb bodenlos in der ganzen Region plünderten, war für die Seite des Kaisers sehr peinlich und unopportun.

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